NEIN ZUM SPEICHERKANAL!

Stoppen wir eine fehlgeleitete Politik, die für den Speicherkanal 84 Mio. € Steuergeld versenken und kostbares Regenwasser sinnlos vergeuden will.

Bildquelle: Holding Graz

Bildquelle: Holding Graz

1. Ein politisches Hütchenspiel?

Mit dem Zentralen Speicherkanal (ZSK) erreicht wirtschaftliche Unverantwortlichkeit einen neuen Höhepunkt. 84 Mio. €, die wir gar nicht haben, sollen einfach so durch den Kanal gehen. Wertvolles Wasser verschwindet gleich mit. Mit weniger Engstirnigkeit könnte man beides besser einsetzen. Was bringt der ZSK außer neuen Schulden? Wo ist die Kontrolle? Eine Betrachtung der Fakten und Aussagen der Teilnehmer Stadt Graz, Land Steiermark und Energie Steiermark (EStAG).


„Die Errichtung des Kraftwerks löst Zusatzinvestitionen der Stadt Graz in Höhe von rund 60 Mio. € (Anm: jetzt über 84 Mio. €) aus, die nur anfallen, wenn das Murkraftwerk errichtet wird.“

Quelle: JOANNEUM RESEARCH, Volkswirtschaftliche Effekte der Errichtung des Murkraftwerks, Graz - 9. Dezember 2015. Am 22. September 2016 wurde der Betrag für die Errichtung für den städtischen Teil des Gesamtprojekts (Murkraftwerk inklusive Speicherkanal) vom Gemeinderat um den Betrag von 20,2 Mio. € auf insgesamt 84,45 Mio. € erhöht.

 

2. Wer gewinnt, wer verliert?

Staut man den Fluss, steigt das Wasser. Die Kanalüberläufe liegen dann unter dem Wasserspiegel und können nicht länger funktionieren. Wer ein Kraftwerk baut, muss also für einen Abfluss sorgen. Die Energie Steiermark lässt das praktischerweise von der Stadt Graz erledigen. Statt eine Kleinvariante des Kanals – zu hohen Kosten jenseits der 20 Mio. € – selbst zu realisieren, handelt sie mit den Verantwortlichen der Stadt einen Freundschaftspreis von 21 Mio. € aus. Und weil der EStAG das immer noch zu teuer ist, darf sie 7 Mio. € Landesförderung einstecken, die von der Stadt Graz dankenswerterweise einfach durchgereicht werden. Bleiben letzlich nur 14 Mio. € (zu zahlen auf 25 Jahre) und damit ein prächtiges Geschäft für die Energie Steiermark.

 

Kosten Kanalzuschuss

Abschlagszahlung der EStAG für die Realisierung der Speicherkanal-Lösung.

Förderung Land Steiermark

Dieser Betrag wird von der Stadt Graz einfach an die EStAG weitergeleitet.

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Tatsächliche Entschädigung

Die Entschädigungszahlung an die Stadt Graz, für die entstehende Minderung der Wasserqualität.

 

Hinzu kommen 520.000 € Betriebskosten/Jahr, die alleine von der Stadt Graz getragen werden. Wo kommt das Geld bei der angespannten Budgetsituation eigentlich her? Ist es wirklich notwendig, das Steuergeld der GrazerInnen in der Mur zu versenken? Und nicht zuletzt: Wird hier Geld der öffentlichen Hand in ein Privatunternehmen umgeleitet?

 

3. Was soll es bringen?


Das Grazer Kanalnetz ist ein Mischwassersystem. In weiten Teilen fließen Regenwasser und Haushaltsabwässer vermischt in einem gemeinsamen Kanal. Regnet es stark, fließt viel Wasser von Dächern, Plätzen und Straßen in das System und überlastet sowohl Kanal als auch Kläranlage. Damit der Kanal nicht übergeht, gibt es gezielte Überlaufstellen an den Grazer Bächen und der Mur. Die Abwassertechnik nennt das eine „Mischwasserentlastung“.

Wo kommt der Schmutz in der Mur her?

Der zentrale Speicherkanal würde nur die Hälfte des Grazer Schmutzwassers reinigen. Also 5% der gesamten Verschmutzung. Angesichts der hohen Investitionskosten ein verschwindend kleiner Teil.

Der Speicherkanal soll durch seine Größe das Überlaufen des Mischwassers vermindern. Aus dem Speicherabschnitt fließt es in die Kläranlage. Allerdings auch nur bis zu einem gewissen Fassungsvermögen, dann geht auch der Speicherkanal über. Außerdem: 90% des Schmutzwassers kommt vom Muroberlauf. Der Grazbach (schlimmst verschmutzes Gewässer bei „Mischwasserentlastung“) wird nicht in den Speicherkanal sondern weiter in die Mur geleitet. Die Wasserqualität wird nicht besser, ohne Kraftwerk würde sich die Mur weiterhin selbst reinigen.

 

4. Ist das smart?


Regenwasser ist enorm wichtig und wird von der Politik behandelt wie Abfall. Der Speicherkanal ist die letzte Kette im System der Folgefehler. Wir brauchen das Regenwasser nicht im Kanal. Wir brauchen eine naturnahe Regenwasserbewirtschaftung für eine lebendige Stadt und zeitgemäße Klimawandel- Anpassungsstrategien. Wir müssen Hausdächer und Fassaden begrünen, dezentrale Rückhaltebecken schaffen, Bewässerungslösungen für Stadtbäume installieren und vieles mehr.

Kann das sein? Wollen wir wahnsinnig viel Geld verwenden um kostbares Regenwasser mit Exkrementen zu verquirln um die Mischung dann durch einen Betonkanal zu jagen?


Der Speicherkanal ist eine Scheinlösung. Ausdruck schlechter Entscheidungen nur zum Nutzen einer satten Betonwirtschaft. Wollen wir diese ewiggestrige Problembeschleunigung weiter unterstützen? Warum kann Graz nicht zum Platz für zukunftsfähige Visionen werden?

NEIN zum Speicherkanal. JA zu besseren Alternativen.

Bosco Verticale

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