Diese Kanalidee von heute ist mit Sicherheit ein Konzept von gestern. Eine Stadt wie Graz braucht andere Lösungen.

Problematik des Grazer Kanalsystems

Der Großteil des Grazer Abwassersystems besteht aus einer Mischwasserkanalisation. Regenwasser und Haushaltsabwässer werden in einem gemeinsamen Rohrsystem abgeleitet. Nur an der Peripherie von Graz gibt es die bessere Trennkanalisation. Starkregenereignisse führen dazu, dass der Mischwasserkanal zu viel Wasser transportieren muss, sich dieses mit dem Abwasser vermischt und nicht vollständig abtransportiert werden kann. Über die Mischwasserentastungsstellen fließt dann ungeklärtes Abwasser in die Mur, aber auch in den Grazbach, Mariatrosterbach, Leonhardbach, Stiftingbach oder Ragnitzbach.

Der Speicherkanal ist nur nötig, weil das Kraftwerk den ökologisch guten Zustand der Mur verschlechtern würde.

 

Die Wasserqualität der Bäche leidet besonders, da der Verdünnungsgrad wesentlich geringer ist als in der Mur. Die genannten Bäche befinden sich laut Gewässerbewirtschaftungsplan 2015 (gemäß EU Wasserrahmenrichtlinie 2000/60/EG) in einem nur mäßig guten ökologischen Zustand, während die Mur einen guten ökologischen Zustand aufweist. Laut Wasserrahmenrichtlinie sollen alle Oberflächengewässer in ökologisch und chemisch guten Zustand gebracht werden. Der Speicherkanal hilft hier keineswegs weiter, er muss aus anderem Grund gebaut werden: Derzeit kann die Mur die Belastung ausreichend gut verkraften, die fehlende Fließgeschwindigkeit durch den geplanten Kraftwerksbau würde der Mur beträchtlich schaden.

Natürliches Lebensgefühl im urbanen Raum. breathe.austria – Austrian Pavilion EXPO Milan 2015

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Wo sind die Alternativen?

Klar ist: Wasser rinnt immer ins Tal. Eine Stadt, die sich so wie Graz auf die Hügel ausbreitet, bräuchte dementsprechend gänzlich andere Konzepte für Straßen und Dächer. Wasserexperte Martin Regelsberger zeigt funktionierende Konzepte aus aller Welt auf und stellt sie auch kurz vor. Dezentrale Lösungen und Wassernutzungskonzepte sind beispielsweise:

  • Australien: Water Wise Cities
  • China: Sponge Cities
  • London: Blue Green Solutions

Nachhaltiges Regenwassermanagement kennt man übrigens auch in Österreich, in Wien ist das Teil der Umweltschutzmaßnahmen für die Stadt. Mehr unter: www.wien.gv.at/umweltschutz/raum/regenwassermanagement.html
„Der Vorteil all dieser Ansätze ist, dass neben der sicheren Handhabung des Regenwassers auch noch andere Ziele erreicht werden: Verdunstung gegen Hitzeinseleffekt, Speicherung von Regenwasser für Feuchtbiotope, die Biodiversität fördern und als Naherholungsgebiete beliebt sind, und und und…“

„Der ZSK ist auf jeden Fall eine Fehlinvestition. Regenwasserkanäle sind eigentlich ein Konzept des 18. respektive 19. Jahrhunderts.“

Martin Regelsberger

Mittlerweile ist klar, dass unsere Städte immer mehr austrocknen, das Wasser zu guten Zeiten fehlt und dann doch wieder Überflutungen passieren. Dies wird auf zunehmend stärkere und häufigere Extremereignisse zurückgeführt. Davon ist aber viel hausgemacht. Im Dezember 2016 wurden im Gemeinderat einstimmig die Klimawandelanpassungsstrategien für Graz beschlossen. Da sich bis 2050 die Anzahl der Hitzetage in Graz mehr als verdreifachen sollen, spielt ein sinnvolles Wasser-Management in den Maßnahmenpaketen eine zentrale Rolle. Ein Maßnahmenpaket behandelt die Nutzung von Regenwasser, das durch Verdunstung zur Abkühlung der Umgebung erheblich beiträgt.

Regenwasser verbessert das Stadtklima

Wir müssen den Gedanken der „Entsorgung“ von Regenwasser hinter uns lassen. Das Regenwasser soll nicht wie bisher in großen Mengen sofort durch den Kanal die Stadt verlassen, sondern auf verschiedenen Weisen in den Wasserkreislauf eingebunden werden:

  • Dach-& Fassadenbegrünung verringern Aufheizungseffekte im stark versiegelten Stadtgebiet und kompensieren die Rückhaltefunktion von Niederschlagswasser von natürlichem Boden
  • Das Sammeln von Regenwasser in Zisternen von Gebäuden und Straßen für eine technische Regenwassernutzung
  • Versickerung des Niederschlagswassers vor Ort zur Anreicherung des Grundwasserkörpers

 

 

Diskussion wird durch die Betonpartie erstickt

„Diskussionen mit Grazer Behörden haben gezeigt, dass gerade im Osten von Graz sehr wohl immer noch Straßenflächen neu an den Kanal angeschlossen werden und damit Abflussspitzen weiter belasten. Andere Konzepte, die Regenwasser oberflächlich zurückhalten und nutzen könnten aber durchaus Platz und Nutzen haben.“ (Martin Regelsberger in einer Diskussion auf facebook.com/ZSKGraz/)

Warum gibt es auch zu so wichtigen Themen wie dem Speicherkanal nur ein Monologbüro?