Ist das einfach nur ein Machtkartell oder schon die Wiedergeburt einer Kanalbaumafia?

Wo ist die Diskussion?

Es gibt genau ein Thema, über das die Politik noch weniger gern spricht als das Murkraftwerk. Die Steuergeldverschwendung Sammelkanal soll mit möglichst wenig Information oder einer guten Portion schmutziger Desinformation an der Bevölkerung vorbeigeschleust werden. Beispiel gefällig?

Links: Schmutz-, Misch- und Murwasser aus Wasserland Steiermark, 1/2016 - S33 ff

Links: Schmutz-, Misch- und Murwasser aus Wasserland Steiermark, 1/2016 - S33 ff

Foto: /Stadt Graz / Foto Fischer https://kurier.at/chronik/oesterreich/murkraftwerk-sondersitzung-blieb-zahnlos-verhaertete-aber-die-politischen-fronten/249.293.727

Foto: /Stadt Graz / Foto Fischer
https://kurier.at/chronik/oesterreich/murkraftwerk-sondersitzung-blieb-zahnlos-verhaertete-aber-die-politischen-fronten/249.293.727

In der Sondergemeinderatssitzung Anfang März 2017 lässt sich Bgm. Nagl ein Glas mit dreckigem Wasser bringen. Sieht fürchterlich aus, stimmt nur leider nicht mit den Proben der Holding Graz überein. Ist die Mur wirklich so schmutzig wie dargestellt? Gab es in den letzten Tagen von allen unbemerkt ein Starkregenereignis? Oder verwandelt sich das Bürgermeisteramt einfach in ein Mischwasserverquirlamt und rührt sich die Wahrheit zusammen, wie sie grade gebraucht wird?

Mehr von diesem Märchen findet sich auf einer Facebook-Seite des Bürgermeisters:

„Bürgermeister Siegfried Nagl stellt in folgendem Video noch einmal klar, wieso der Bau des Zentralen Speicherkanals so wichtig für Graz ist. Die Mur wird derzeit durch Fäkalien tausender Haushalte  verunreinigt (Mischwasser). Um Mensch, Tier und Natur zu schützen, braucht es den ZSK - Zentraler Speicherkanal Graz. Das Murwasser wird zukünftig so gereinigt, dass die Qualität deutlich verbessert wird. Dieses Video veranschaulicht den Unterschied sehr deutlich. (Smiley)“

Ist mit einem ZSK alles gut?

Noch nicht mal halbgut. „Dadurch werden die entlasteten Schmutzfrachten auf ungefähr die Hälfte des Bestandes reduziert.“ (Wasserland Steiermark, 1/2016 - S33 ff). Allerdings betrifft das nur die Mischwasser aus Graz. Die verschmutzten Gewässer aus dem Oberlauf der Mur (rund 90% der Gesamtbelastung im Fluss) sammeln sich in der stehenden Mur vor dem Kraftwerk. Die meisten Entlastungen gehen weiterhin in die Bäche (Bsp. Grazbach) und anschließend ungeklärt in die Mur. Die tatsächliche Reinigungswirkung an Starkregentagen liegt dementsprechend unter 5 %.

Offen bleibt auch:

  • Was muss die Kläranlage zusätzlich leisten?
  • Kommen da weitere Ausbaukosten auf uns zu?

Aus der Präsentation für den Naturschutzbeirat. Berücksichtigt ist hier nur Mischwasser, das in Graz selbst produziert wird.

Wirkung des ZSK bei der Berücksichtigung der Mischwasserfrachten die aus dem Muroberlauf bereits in Graz ankommen.

Wer braucht den ZSK?

Nicht auf der Seite der Holding, sondern bei den Kraftwerksbetreibern findet sich der Satz: „Die Aufgabe des ZSK ist die Reduktion der Gewässerbelastung der Mur durch die Mischwasser-Überläufe. Daher sehen wir es als Verpflichtung dieses Projekt auch ohne Kraftwerk mittelfristig umzusetzen.“ (murkraftwerk.at/FAQ) Wer sieht hier was als Verpflichtung? Wir sehen hier eher eine Verflechtung zwischen Energie Steiermark AG und Stadt Graz wo sie nicht hingehört.

„Der ZSK führt daher zu einer deutlichen Verbesserung der Gewässerqualität.“

Noch eine Märchen von der Betreiberseite

Richtig ist vielmehr: Der ZSK muss für die Staustufe errichtet werden, damit die Gewässerqualität gehalten werden kann. Die Mur selbst steht ohne Staustufe und ZSK besser da. Es stimmt, bei starkem Regen werden derzeit Fäkalien in die Mur gespült. Der geplante Kanal kann das Problem nicht lösen, maximal verringern. Lt. Umweltanwältin ist er überhaupt erst durch die Staustufe nötig, ohne sie gäbe es „überhaupt keine Dringlichkeit“.

Ignoriert die Stadt jede günstigere oder bessere Lösung?

Auf jeden Fall enthält sie uns konsequent jede andere Lösung vor. Auf der Betreiberseite erfährt man nur knapp: „Die möglichen Alternativen, wie beispielsweise mehrere Speicherbecken, zwei murbegleitende Speicherkanäle aber auch die Auftrennung des Mischsystems wurden mehrfach untersucht.“

Wo sind die Ergebnisse dieser Untersuchungen? Sind das tatsächliche Alternativen oder lediglich  Varianten? Will uns die Stadt für dumm verkaufen?

 

Die Stadt Graz schreibt: „Als Ergebnis von Variantenbetrachtungen stellte sich als beste Lösung die Errichtung eines Zentralen Speicherkanals (ZSK) heraus.” Daran glaubt die Holding offensichtlich nicht mal mehr selber, der Satz ist mittlerweile verschwunden von
http://www.holdinggraz. at/wasserwirtschaft/wasserbaustellen/planungsprojekt-zks-hortgasse-bis-radetzkybruecke.html

Google findet den Satz noch:

 

Wir fragen uns:

  • Was waren die anderen Varianten?
  • Wie wurden sie betrachtet?
  • Und von wem?

 

In der Wasserwirtschaft sind wenigstens die Kriterien zu finden. „Der Bewertung wurden u. a. folgende Kriterien zugrunde gelegt:“

„Darauf aufbauend wurden wiederholt Variantenuntersuchungen durchgeführt.“ (Aus: Wasserland Steiermark, 1/2016 - S33 ff)

Weder Varianten noch Ergebnisse sind auffindbar. Passiert diese unnötige Verschwendung von Steuergeld ohne jede Prüfung?

Ist das in Wahrheit das Fundament für eine Murgondel?

Pikante Geschichte am Rande, das Betongrab könnte auch das Fundament für einen weiteren politischen Nonsens sein. Die Kleine Zeitung schreibt am 24. September 2016: „Der eben erst beschlossene Speicherkanal wäre auch das Fundament für die Murgondel.“ Ist damit das nächste sinnlose Geldvernichtungsprojekt bereits in Planung? Wir finden: Besser Menschen bilden, als blöd herumgondeln. Der Stadt Graz fehlt es an allen wichtigen Ecken und Enden. Mit ein bisschen Nachdenken, lässt sich derart viel Geld besser investieren.

Murgondel-Projekt © KK

Murgondel-Projekt © KK